• Schicht im Schacht! Mach’s gut Bergbau.
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    Das Ende einer Ära. Wie ihr wisst, bin ich ein Ruhrpottkind und für mich gehörte der Bergbau immer zu meiner Heimat dazu. Mich faszinierten schon immer die vielen Mythen um den Abbau des „Grubengolds“. Zum Abschied des Bergbaus nehme ich euch mit auf eine kleine Reise in die Geschichte des Bergbaus bzw. des Ruhrgebiets.

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    GLÜCK AUF

    … so wie man sich in Hamburg mit „Moin Moin“ begrüßt, grüßt man im Ruhrgebiet mit „Glück auf!“. Der Unterschied: Der Gruß „Glück auf!“ ist heutzutage leider nicht mehr gängig, sondern wird meist nur noch unter ehemaligen Kumpeln benutzt. Das liegt wohl daran, dass der Beruf Bergmann nicht nur vom „Aussterben bedroht“ ist, sondern mit dem heutigen Tage beerdigt ist. Prosper Haniel in Bottrop, die letzte Zeche des Ruhrgebiets und sogar Deutschlands schließt heute am 18. Dezember 2018. Somit ist der Bergbau, der das Ruhrgebiet Jahrzehnte geprägt hat, Geschichte. 

    ANDENKEN

    Man mag über die Abbau von Kohle aus politischer und wirtschaftlicher Sicht denken was man möchte. Darum soll es hier gar nicht gehen. Sondern viel mehr darum was der Wirtschaftszweig Kohle für die Menschen im Ruhrgebiet bedeutet. Die Eltern und Großeltern meiner Generation sind die letzten, die unter Tage gearbeitet haben und Geschichten vom „Pütt“ erzählen können. Ich liebe es, wenn mein Papa mir die Geschichten erzählt und Einblicke in eine Welt gibt, die vielen für immer verschlossen bleiben wird. Daher bin ich total Dankbar bei einer Besucherbergfahrt zwei mal einen klitzekleinen Einblick in die Welt unter Tage bekommen zu haben.

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    ERINNERUNGEN 

    Wichtig finde ich in jedem Fall, dass wir den Mythos und die Geschichten rund um den Bergbau an jüngere Generationen weiter tragen. Viele Schulen im Ruhrgebiet machen zum Beispiel mit ihren Klassen Ausflüge ins Bergbaumuseum nach Bochum. Dort kann man sich fühlen wie unter Tage und einen wunderbaren Einblick in den Abbau des „Grubengolds“, wie die Kohle im Ruhrgebiet auch genannt wird, bekommen. 

    GRUBENGOLD

    Herbert Grönemeyer singt in seiner Hymne an seine Heimatstadt Bochum „dein Grubengold hat uns wieder hoch geholt“. Aber was bedeutet das eigentlich genau? Fakt ist, dass der Bergbau der treibende Motor für den wirtschaftlichen Aufschwung im Ruhrgebiet war. Denn die Kohle konnte Anfang der 1910er Jahre dort besonders günstig abgebaut werden. Im Jahr 1913 wurden alleine im Ruhrgebiet 111 Millionen Tonnen Kohle gefördert. Das schafft natürlich eine Menge Arbeitsplätze in der Region. Der hohe Bedarf an Arbeitskräften zog immer mehr Menschen in das Ruhrgebiet und lies die Städte der Region wachsen. Die Hochzeit des Bergbaus war Anfang der 1950er Jahre, aber schon gegen Ende des Jahrzehnts waren die Zahlen des Abbaus rückläufig. 

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    ZECHENSTERBEN

    Genau genommen war das Ende der Kohle-Ära ein schleichender Prozess, der über gut drei Jahrzehnte lief. Die sogenannte Kohlekrise Ende der 1950er löste das Zechensterben aus. Gas und Strom als Energielieferanten gewannen immer mehr an Bedeutung, da diese Stoffe günstiger waren als die Steinkohle. In Essen gibt es bereits seit 1986 keine aktive Zechen mehr. In den Jahren zuvor wurden alle 23 Zechen, die es 1950 in Essen gab, geschlossen.

    Über die Jahre wurde der Abbau immer teurer und der Import von Steinkohle aus anderen Ländern immer günstiger. 2007 wurde als Konsequenz daraus der endgültige Ausstieg aus der Kohleförderung beschlossen.  Zu diesem Zeitpunkt waren noch circa 7000 Bergleute angestellt. Zum Vergleich: In den 50ern waren es 600.000 Kumpel und 2007 zum Zeitpunkt des Beschlusses 33.000 Kumpel.  Diese Entwicklung findet nun 2018 ihren traurigen Höhepunkt. Traurig, weil es Abschied von einem Wirtschaftszweig ist an dem für mich und viele andere Menschen Emotionen hängen. 

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    EMOTION & MENTALITÄT

    Über die Menschen im Ruhrgebiet sagt man, dass sie besonders offen, hilfsbereit und bodenständig sind. Kumpelhaft eben! Aber auch für ihre Arbeitermentalität sind wir bekannt. Diese ist zu einem Stück darauf zurück zu führen, dass der Großteil der Menschen in dieser Region über Jahrzehnte zur Arbeiterklasse zählte. Für die Menschen hier war der Bergbau über die Jahrzehnte nicht nur ein Job und die Sicherung der Lebensunterhalts – meist für die ganze Familie. Er war noch so viel mehr. Optisch prägen noch heute die vielen Fördertürme die Region rund um die Ruhr. Der Grund warum sie nicht abgerissen wurden, sondern zum Großteil Industriedenkmäler sind ist höchstwahrscheinlich die Emotionalität. Ich kann für mich sagen, dass mir der Anblick eines Förderturms ein absolutes „Zuhause-Gefühl“ vermittelt.

    Wusstest ihr, dass die Zeche Zollverein in Essen zum Weltkulturerbe ernannt worden ist? Das unterstreicht die Bedeutung der Kohle für meine geliebte Heimat ganz besonders. 

    FUßBALL & KOHLE

    Was Fußball mit Kohle zutun hat? Da muss ein ein Stück in die Geschichte des Fußballvereins FC Schalke 04 zurück gehen. Gegründet wurde der Gelsenkirchener Fußballverein im Jahr 1904 von Jungs, die in der Zechensiedlung Consoldiation in Gelsenkirchen groß geworden sind. So lautet zumindest der Mythos um die Gründung des Vereins. Die Wurzeln des Vereins sind auch heute noch besonders in der Fan-Kultur spürbar. Im Volksmund wird Schalke auch als der „Arbeiter-Verein“ bezeichnet. Aber auch der Verein selbst sorgt mit dem Spielen des traditionellen Steiger-Lieds vor jedem Heimspiel für die Wahrung der Erinnerung an den Bergbau. Passend dazu wird auf dem Videowürfel des Stadions einen Zusammenschnitt von Filmaufnahmen der Arbeit unter Tage gezeigt. Ein optisches Andenken in der Arena auf Schalke (oder Veltins-Arena wie sie offiziell heißt) ist der Spieler-Tunnel, der einem Bergstollen nach empfunden ist.           

    Daher überrascht es nicht, dass schon vor 3 Jahren an die Schließung der Zeche Auguste Viktoria in Marl im Stadion feierlich gedacht wurde. Clemens Tönnies sagte sogar in seiner Rede an diesem Tage „unser Verein ist auf Kohle geboren“. (Kleiner Einblick gefällt? YouTube macht es möglich) Auch vor dem Heimspiel gegen Leverkusen am vergangenen Dienstag wurde auf Schalke dem endgültigen Ende des Bergbaus gedacht werden. Die Spieler liefen sogar in speziell gefertigten Kumpel-Trikots ins Stadion ein. Der Verein holte sich extra eine Sondergenehmigung der DFL und deshalb durfte jeder Spieler einen Namen einer der zahlreichen Zechen des Ruhrgebiets auf der Brust tragen.

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    Machs gut, lieber Bergbau. Du wirst immer ein großes Stück Geschichte des Ruhrgebiets sein und für mich immer ein Teil meiner Kindheitserinnerungen. 

    IN DIESEM SINNE: GLÜCK AUF!

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    3 Kommentare

    1. Dezember 28, 2018 / 8:16 pm

      Hallo Milli,
      ich habe in den Medien davon gehört und finde das alles sehr spannend. Toll ist es, dass du ein Andenken hast und immer wieder Freude verspüren kannst, wenn du es sieht! Dein Kleid ist übrigens auch wunderschön 🙂

      Liebst Linni
      http://www.linnisleben.de

    2. Dezember 30, 2018 / 8:57 pm

      Das ist eine spannende Geschichte und großer Teil der Geschichte. Vor allem, wenn man aus der Umgebung kommt, man damit aufgewachsen ist, dann betrifft einen das nochmal ganz anders, als die anderen Menschen.

      Ganz liebe Grüße
      Kathleen
      https://kathleensdream.de/

    3. Januar 4, 2019 / 9:20 am

      Liebe Milli,
      auf diesen Artikel bin ich durch die spannende Überschrift gestoßen. Dein Artikel ist sehr gut geschrieben und informativ. Was mir besonders gefällt, ist dein persönlicher Bezug zu dem Thema. Bewahre die Erinnerungen und Geschichten gut auf, denn sie sind etwas ganz besonderes. Danke fürs Teilen. Alles Liebe und ein frohes neues Jahr Marie

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